|
|
|
||||||||||
|
|
|
![]() |
|
![]() |
|
|
|||||
|
|
|
||||||||||
|
|
|
|
|||||||||
|
|
|
|
|
||||||||
|
|
|
Oktober 2010
|
|
|
|||||||
|
|
|
|
|
||||||||
|
Home > Fallbeispiele > Fall des Monats > Oktober 2010
Der Fall: In der Notaufnahme stellt sich ein 55 jähriger Patient, mit Z.n. Pankreatitis erst vor wenigen Tagen entlassen, mit rezidivierendem Erbrechen, ohne Schmerzsymptomatik vor. Der Patient ist wach, orientiert und herzkreislauf stabil. Aufgrund der Vorgeschichte soll der Patient sofort und ohne weitere Diagnostik wieder auf die Gastroenterologie aufgenommen werden. Laborwerte werden noch in der Notaufnahme abgenommen. Der Stationsarzt übernimmt den Patienten, kann ihn aber aufgrund von Bettenmangel noch nicht auf seine Station legen. Daher wird der Patient auf dem Gang „zwischengeparkt“ und wird nicht weiter beachtet bzw. beobachtet. Etwa drei Stunden nach Aufnahme erbricht der Patient plötzlich massiv Blut. Jetzt wird sich vom diensthabenden Notaufnahmearzt erneut mit dem Patienten befasst. Die Anamnese ergibt, dass der Patient seit der Entlassung mehrfach Blut erbrochen habe. Der Hb liegt bei 3,8 mmol/l (6,1 g/dl). Der Wert wurde ausgedruckt und unbeachtet zur Übergabeakte gelegt. Kommentar: Hier liegen verschiedene Biases vor, die ganz typisch risikoreiche Denkweisen in Notaufnahmen zeigen. Ein Patient kommt in die ZNA und ist "bekannt". Sofort bekommt er den Stempel des letzten Aufenthaltes aufgedrückt. Letztes Mal Pankreatitis, dieses Mal Pankreatitis - wieder auf die Gastroenterologie, manchmal auch als "Reklamation" benannt. Wie stark hier die Bias ist zeigt, dass der Patient noch nicht einmal Schmerzen hatte - trotzdem bekam er gleich den Stempel der Pankreatitis aufgesetzt. Dann erbrach er Blut - nicht typisch für eine Pankreatitis - der Stempel bleibt. Die Anämie wird zwar im Labor angezeigt - passt aber nicht zur Pankreatitis und wird abgeheftet. Die kognitiven Biases können wirklich extrem stark ausgeprägt sein, obwohl hier nun alles gegen die Initialdiagnose spricht, bekommt der Patient seine Pankreatitis nicht mehr los. Nun stelle man sich mal vor, er hätte einen Herzinfarkt mit Bauchschmerzen - das soll es auch bei Patienten mit Pankreatitis geben (ähnliche Fälle schon auf der Website publiziert, zur Erinnerung: Schultertrauma links mit Schmerzen - Herzinfarkt; Herpes Zoster links thorakal - Herzinfarkt). Daher ist es wichtig, dass Patienten in der ZNA immer wieder von Anfang an und neu beurteilt werden - am besten übrigens von einem Arzt, der den Patienten noch nicht kennt (und gerade nicht von dem Arzt, der ihn schon letztes Mal aufgenommen hat - denn der hat schon sein eingefahrenes Denkschema). Wie will man sonst den COPD-ler erkennen, der dieses Mal keine exazerbierte COPD hat, sondern eine Lungenembolie? |
|||||||||||
|
|
|
|
|
||||||||
|
|
|
|
|||||||||