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3x alarmiert - dann Reanimation
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Home > Fallbeispiele > Archiv - direkt hier klicken > 3x alarmiert - dann Reanimation
Der Fall: Notarzteinsatz zu einer schlecht deutsch sprechenden Familie in der Stadt. Der 76jährige Mann wird seit Jahren von der Familien gepflegt und ist dem RD bekannt. Er hat diverse Vorerkrankungen (pAVK, mehrere Herzinfarkte und Schlaganfälle).Vor Ort stellt sich trotz der sprachlichen Probleme (Türkisch) heraus, dass es dem Patienten seit "einiger Zeit" schlechter gehe und er nach Meinung der Familie "wieder einmal" ins Krankenhaus sollte. Dem Notarzt ist der Patient von früher bekannt, er kann bei einer orientierenden Untersuchung keine akute Verschlechterung feststellen. Der Patient wird vor Ort gelassen mit dem Hinweis den Hausarzt zu kontaktieren und/oder sich bei Verschlechterung wieder zu melden. Nach weniger als 1 h erfolgt erneut eine Anforderung des Notarztes durch die Familie, gleiches Procedere. Beim dritten Anruf wird von der Leitstelle noch ein RTW ohne Signal geschickt, die Kollegen verfahren ebenso (1 RA war mit vor Ort bei den ersten Einsätzen, kennt den Zustand des Patienten der unverändert schien). Kurz nach ihrer Abfahrt ein erneuter Anruf bei der LTS, die jetzt einen KTW schickt. Zufällig war ich auf den KTW gewechselt und bemerkte die jetzt vermehrte Aufregung vor dem Haus. Beim Aussteigen fiel von den Angehörigen das Stichwort "ist blau" was uns veranlasste doch noch den Notfallkoffer mitzunehmen. Als wir beim Patienten ankommen ist dieser reanimationspflichtig. Nachforderung NA, RTW, Basisrea bis zum Eintreffen. Der NA (immer noch der gleiche) entschied sich zum Transport unter Reanimationsbedingungen ins KH - was vermutlich nur einsatztaktisch sinnvoll war bzgl. der vielen erzürnt wirkenden Angehörigen. Dort wurde der Patient kurz nach Ankunft für tot erklärt.
Kommetar: Ein Patient, bereits dem Rettungsdienst bekannt – anscheinend ein Pflegefall, schlecht deutsch sprechend mit multiplen Vorerkrankungen. Wieder einmal ein Alarm, wieder einmal sollte der Patient ins Krankenhaus, anscheinend ein Routineeinsatz. Der Notarzt untersucht den Patienten „orientierend“ und kann keine wesentlichen Erkrankungen finden, die eine stationäre Behandlung rechtfertigen würden. Nach zwei weiteren Alarmierungen und Hausbesuchen ist der Patient reanimationspflichtig und verstirbt. An diesem Einsatz zeigen sich mehrere Probleme, die aber weder ungewöhnlich noch selten sind.
Lernen kann man daraus, dass vorgefasste (auch unterbewusst vorgefasste) Meinungen und Sprachbarrieren typische Pitfalls darstellen. In solchen Fällen ist es gut sich zurückzunehmen, versuchen Abstand zu gewinnen und dann, soweit möglich, ohne vergefasste Meinung an den Patienten (Fall) heranzugehen. Manchmal kann die Frage – „was würde ich mit einem anderen Patienten mit ähnlicher Symptomatik tun“ helfen, diese intellektuelle Distanz zu finden. 2. Quartal 2008 |
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