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April 09 - Spastik statt Leichenstarre
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Home > Fallbeispiele > Fall des Monats > April 09 - Spastik statt Leichenstarre
Der Fall: Ein 10 Jähriger Junge hat sich morgens in sein Kissen gewühlt und erlitt einen Herzkreislaufstillstand. Dies wurde von Betreuern recht zügig bemerkt, woraufhin sofort eine Laien-HLW eingeleitet wurde. Beim Eintreffen des RTW setzte die Besatzung zunächst die HLW fort (Beutel-Masken-Beatmung) und legte ein 4-Elektroden EKG sowie eine SpO2-Messung an. Kurze Zeit nach dem RTW traf dann die Notärztin ein und ordnete den Abbruch der Reanimation an. Unbeachtet blieb das Kammerflimmern sowie das Ausbleiben jeglicher invasiver Maßnahmen, da die Ärztin von einer bereits vorhandenen Leichenstarre ausging. Später stellte sich durch die Leichenschau heraus, dass dieser Junge an spastischen Lähmungen litt. Eine Fremdanamnese wurde weder von uns, noch von der Ärtzin durchgeführt. Kommentar:
Die Sinnhaftigkeit einer Reanimation muss für jeden Fall individuell diskutiert werden. Beim Vorliegen von Kammerflimmern kann man jedoch davon ausgehen, dass der Beginn des Kreislaufstillstandes noch nicht lange zurück liegt und potenziell gute Chancen - gerade bei einem Kind - auf eine erfolgreiche Reanimation bestehen, zumal auch umgehend eine Laienreanimation begonnen wurde.
Möglicherweise hat die Behinderung des Kindes bei dem Entscheid, die Reanimation sehr frühzeitig abzubrechen. Hier sollten wenn immer möglich Eltern oder Betreuer und das Team bei der Entscheidungsfindung miteinbezogen werden, da nur so alle relevanten Informationen berücksichtigt werden können. Das Lehrreiche an diesem Fall: Eine spastische Lähmung, die eine Leichenstarre vortäuschen kann! Da kommt man kaum im Leben drauf – daher macht es auf jeden Fall Sinn, auch bei scheinbar sicheren Todeszeichen im Einzelfall ein EKG abzuleiten. Ob es für den Jungen vom ethischen Aspekt her vielleicht sogar gut war, nicht reanimiert worden zu sein, lässt sich hier nicht ableiten – und dies liesse sich unter dem Zeitdruck bei der Entscheidung auch kaum sicher beurteilen.
Mich würde interessieren, ob der Junge noch warme Extremitäten hatte – wahrscheinlich. In diesem Falle sollte man eine „Leichenstarre“ besonders hinterfragen. April 2008 |
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