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Beatmungsbeutel ist wo?
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Home > Fallbeispiele > Archiv - direkt hier klicken > Latente Systemfehler > Beatmungsbeutel ist wo?
Der Fall: Fehlender Beatmungsbeutel Eigentlich nicht direkt ein Ereignis im Notarztdienst, sondern eher die Folge hiervon:Im Dienst gestern kam ein RTW unangekündigt mit einer 92 Jahre alten Patientin mit akuten Beinschmerzen links. Eine Viggo war angelegt, es liefen 500ml Ringer. Der Notarzt war nicht mitgefahren, ein Protokoll lag nicht vor, die Rettungsassistenten wussten nur, daß der Notarzt "irgendwas" gegen Schmerzen gespritzt habe, jedoch nicht was oder wieviel.Die wache, orientierte Patientin schrie vor Schmerzen, klinisch zeigte sich ein akuter Gefäßverschluß des linken Beines mit Pulslosigkeit, Kälte, Taubheit und Blässe. Nach dem Umlagern plötzlich auch Schmerzen im rechten Bein und zunehmende Taubheit der Beine, sonografisch bds. Gefäßverschlüsse femoral, intrakardial reichlich Thromben. Zur Analgesie wurde vorsichtig Fentanyl i.v. titriert (RR 190/100), nach 0,1µg wurde die Patientin plötzlich apnoeisch, SpO2 Abfall von 98% ohne Sauerstoffgabe auf unter 40% trotz O2-Maske. Da kein Atemweg vorbereitet war, und der nächste Ambubeutel unauffindbar war in der Hektik zunächst Mund-zu-Mund Beatmung und Rea-Alarm mit Notfallintubation durch Anästhesie. Nach ca. 40min. Beatmung erwachte die Patientin und konnte extubiert werden, weiterhin wach, orientiert, kein Hinweis für hypoxiebedingte Schäden. Kommentar: Nicht aus dem Notarztdienst - trotzdem lehrreich. 1. Ein Notarztprotokoll mit der Angabe der Schmerzmedikation wäre wünschenswert, hätte den Zwischenfall wahrscheinlich aber nicht verhindert. 2. Beatmungsbeutel im Schockraum (oder im RTW) werden meistens für hektische und unvorgesehene Notfälle benötigt. Es ist daher wichtig, dass sie an einer Stelle liegen, an der man sie sofort greifbar hat. 3. Vor Applikation von atemdepressiven Medikamenten sollte der Arzt nochmals sicher stellen, dass ein Beatmungsbeutel in der Nähe ist - alte Patienten hören schon bei geringen Dosen Fentanyl mit dem Atmen auf. 4. Selbst wenn die Sauerstoffsättigung ausreichend wäre - bei 40% FiO2 kann die Sauerstoffsättigung trotz Hypoventilation normal sein. Eine Hypoventilation ist bei guten peripher gemessenen Sauerstoffsättigungen nicht ausgeschlossen! Wer kennt nicht die beiden Publikationen aus der Anästhesie, die Patienten beschreiben, die nach einer Narkose in Spontanatmung nicht mehr erwachten, weil das CO2 auf exorbitante Werte angestiegen war. Auch hier kann die Kapnometrie helfen - Kapnometrieschlauch an eine Viggo (z.B. 16G), diese durch die Sauerstoffmaske in der Nähe des Mundes oder der Nase enden lassen - schon kann man die Atmung überwachen und hat schöne CO2-Kurven. Wenn nicht, dann atmet der Patient wahrscheinlich nicht. 1. Quartal 2008 |
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