|
|
|
|||||||||||||
|
|
|
![]() |
|
![]() |
|
|
||||||||
|
|
|
|||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||
|
|
|
Geburt I
|
|
|
||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||
|
Home > Fallbeispiele > Fall des Monats > Ehemalige Fälle des Monats > Geburt I
Der Fall: Beginnende Geburt Beginnende Geburt auf dem Land ca 20 Min von Klinik entfernt. Wehenabstand kleiner 2 Minuten, beginnende Presswehen. Ausländische Gebährende. Trotz mehrmaligem Auffordern an den NA, das Kind in der Wohnung zur Welt zu bringen, wurde die RTW Besatzung gezwungen, die Gebährende zu transportieren. Mutterpass wurde von NA nicht angeschaut. Während der Fahrt heftige Presswehen. Zu keinem Zeitpunkt erfolgte eine vaginale Inspektion. Pat war angezogen und durfte auf Anweisung NA nicht entkleidet werden. Im Kreißsaal angekommen war der Kindskopf teilweise zu sehen. Durch die nicht gespreizten Beine und die Bekleidung wurde der Geburtsvorgang quasi mechanisch werhindert. Die Folgerung war, dass das Kind im Geburtskanal vermutlich über einen Zeitpunkt von 25 Min feststeckte und teilweide wegen der abgedrückten Nabelschnur auch keine Versorgung stattfand. Laut Pädiatrie habe das Kind einen hypoxischen Hirnschaden. Das Kind hätte auf natürlichem Weg in der Wohnung zur Welt kommen können.
Kommentar:
Tatsächlich ist bei bereits einsetzenden Preßwehen die Entscheidung, die Frau in das nächst gelegene Krankenhaus zu transportieren, zu hinterfragen. Dies gilt umso mehr, als daß der Kollege sich kein Bild davon gemacht hat, ob das Köpfchen in der Wehe bereits einschnitt oder nicht. Für diesen Befund bedarf es keiner vaginalen Untersuchung, sondern nur der Inspektion bei gespreizten Beinen. Dies hat der Kollege unterlassen, und das war sicher falsch.
Gibt die werdende Mutter Preßwehen an, so muß der Unterleib entkleidet und die Vulva in der Wehe bei gespreizten Beinen inspiziert werden, schneidet der Kopf in der Wehe ein, also werden die Haare und Teile des Schädels in der Vulva sichtbar, so sollte die Geburt an Ort und Stelle begleitet werden. Schneidet der Kopf nicht ein, so kann der Versuch unternommen werden, das nächst gelegene Krankenhaus zu erreichen. Die Gabe eines Wehen hemmenden Mittels, z.B. Fenoterol als Inhalationsspray kann hier etwas Luft schaffen. Während des gesamten Transports muß aber weiter beobachtet werden, ob das Kind nicht doch „kommt“. In diesem Fall sollte der Transport unterbrochen und zunächst die Geburt begleitet werden. Dies würde auch für einen Hubschraubertransport gelten.
Dennoch kann der Schuldzuweisung, so wie sie in der Falldarstellung vorgenommen wird, nicht ohne weiteres zugestimmt werden. Es ist durchaus möglich, daß der Kopf in genau dem Moment einschnitt, in dem der Kreißsaal erreicht wurde. Normalerweise ist der Preßakt so massiv und überwältigend für die werdende Mutter, daß auch die Anweisungen des Notarztes und auch eine lockere Strumpfhose die Geburt des Kopfes und des Kindes nicht aufhalten. Die werdende Mutter wäre dann auch aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu führen gewesen. Dennoch bleibt die Frage, was die Patientin an Kleidung trug?
Die Aussage, daß die Nabelschnur bei in die Vulva einschneidendem Kopf abgedrückt würde, ist übrigens falsch. Die Blutversorgung ist, wenn nicht eine schwere Nabelschnurumschlingung um Hals oder Körper vorliegt, unbeeinträchtigt. Das Abdrücken der Nabelschnur bei Einschneiden des vorangehenden Teiles ist typisch für die Beckenendlagengeburt. Hier lag aber eine Schädellage vor.
Zusammenfassend ist zu sagen, daß jeder Arzt, der zu einer unter der Geburt stehenden Frau gerufen wird, sich zumindest ein Blid machen muß, ob das Kind „jetzt kommt“ oder nicht. Dies kann er durch Inspektion der Vulva in der Wehe tun, wenn er Erfahrung in der vaginalen Untersuchung hat, dann natürlich auch durch diese. Der Unterleib der Frau muß entkleidet werden und sollte gut zugänglich sein.
Auch wenn der Kollege im oben geschilderten Fall sich nicht entsprechend verhalten hat, so ist dennoch eine Kausalität für den wohl vorliegenden Hirnschaden nicht zu beweisen. Professor Dr. med. Ricardo Felberbaum Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe Klinikum Kempten, Oberallgäu |
||||||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||