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Januar 2012
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Home > Fallbeispiele > Fall des Monats > Januar 2012
Der Fall: Alarmierung zu einem Patienten der alkoholisiert vom Fahrrad gestürzt sei. Wir finden einen Patienten vor, der auf Ansprache nicht adäquat reagiert, einen deutlichen alkoholischen Foetor hat sowie eine große Kopflatzwund am Hinterkopf. Eine Freundin hat den Rettungsdienst alarmiert und berichtet, dass der Patient gar nicht so viel Alkohol getrunken habe. Die RTW Besatzung beschließt den Patienten mit V.a. Alkoholintoxikation ohne weitere Maßnahmen ins nächstgelegene Krankenhaus (ca.30 min) zu bringen. Kurz vor der Ankunft trübt der Patient weiter ein. Im Schockraum werden folgende Vitalparameter bestimmt: RR 210/230mmHg, HF 40/min. Der Patient wird intubiert und ein CT wird durchgeführt. Dieses zeigt eine große intrakranielle Blutung, an welcher der Patient verstirbt.
Kommentar: Dieser Fall zeigt wieder einmal, dass alkoholisierte Patienten eine Patientengruppe stellen, die besondere Achtsamkeit erfordert. Ob ein Transport in eine Klinik mit Neurochirurgie (evtl. weitere Anfahrt) bzw. die Alarmierung des RTH etwas am Ausgang dieses Falls geändert hätten, sei dahingestellt. Dennoch kann man einige Punkte aus diesem Fall mitnehmen: 1. Die Beurteilung der neurologischen Situation bei alkoholisierten Patienten ist stark eingeschränkt! Eine retrospektive Analyse konnte zeigen, dass der Einfluss von Alkohol auf den GCS-score bei Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata gering ist [2] 2. Auch und gerade alkoholisierte Patienten können nach einem traumatischen Ereignis- Fahrradsturz, eine intrakranielle Blutung entwickeln. Ca 35-50% der Patienten, die mit traumatischen Schädel-Hirn-Verletzungen aufgenommen werden weisen eine Alkoholintoxikation auf [1]! 3. Man sollte sich nicht auf die Diagnose „Alkoholintoxikation“ verlassen, sondern nach einem standardisierten Schema vorgehen: Orientierende Neurologische Untersuchung (Pupillen!) Body-check und Blutzucker Bestimmung inklusive. 4. Für die innerklinische Versorgung dieser Patienten stehen viele Dinge zur Diskussion: - Wer sollte ein CT bekommen? - Wann sollte man ein CT machen? - Wann kann man einen Patienten nach Hause entlassen? - Etc.
1 Sloan EP, Zalenski RJ, Smith RF. Toxicology screening in urban trauma patients: drug prevalence and its relationship to trauma severity and management. J Trauma. 1989;29:1647–1653 2 Waiting for the patient to "sober up": Effect of alcohol intoxication on glasgow coma scale score of brain injured patients.Sperry JL, Gentilello LM, Minei JP, Diaz-Arrastia RR, Friese RS, Shafi S.J Trauma. 2006 Dec;61(6):1305-11. |
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