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Januar 3/2011
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Home > Fallbeispiele > Fall der Woche > Januar 3/2011
Der Fall: Psychiatrischer Notfall? Alarmierung des NAW in eine Betreuungseinrichtung für junge Mütter. Eine junge Frau mit 4 Wochen altem Kind ist, bei bekannter medikamentös eingestellter Depression und Enuresis zur Zeit dort betreut, da das Verhältnis zum Kindsvater sehr problematisch sei. Seit dem Morgen sei die Patientin unzugänglich, verändert und würde einnässen. Beim Eintreffen finden wir die Patientin auf dem Bett sitzend, nicht auf Ansprache reagierend, schreiend, in nasser Wäsche vor. Das Personal berichtet, dass eine Vorgeschichte von Selbstverletzungen vorliegt. Erst vor wenigen Tagen sei es wieder zur Auseinandersetzungen mit dem Kindsvater gekommen, daher halten sie einen psychotischen Schub für möglich. Ein fieberhafter Infekt würde vom Hausarzt seit 2 Tagen mit einem Penicillin behandelt. Die Patientin ist so unruhig, dass kein venöser Zugang gelegt wird und sie Midazolam intranasal erhält. Eine ausführliche körperliche Untersuchung ist nicht möglich. Die Patientin soll in eine psychiatrische Einrichtung gebracht werden. Der RA plädiert jedoch für eine nähergelegene neurologische Klinik in welche die Patientin daraufhin gebracht wird. Hier zeigen sich Kloni an der unteren Extremität und ein einseitig positiver Babinski. Es erfolgt die Diagnose einer Meningitis mit beginnendem Hirnödem. Kommentar: Ein typischer Fall von hindsight: Eine psychiatrische Vorgeschichte, ein akuter Auslöser (Auseinandersetzung mit dem Kindsvater), die Beobachtungen des betreuenden Personals — alles scheint relativ eindeutig, sodass auch eine gründliche körperliche Untersuchung unterbleibt. Es gilt der Grundsatz, dass (fast) jede psychiatrische Diagnose eine Ausschlussdiagnose darstellt. Bei genauer Untersuchung wäre der positive Babinski aufgefallen, ebenso die Kloni an den Beinen. Zusammen mit der Bewusstseinsstörung, dem fieberhaften Infekt wären so eine Reihe anderer Differentialdiagnosen ins Blickfeld gerückt: Z.n. Krampfanfall, Meningitis, Encephalitis, Sinusvenenthrombose, Endokrinologische Erkrankungen etc. Die Therapieverzögerung durch Einweisung in eine psychiatrische Klinik hätte verheerende Folgen haben können… |
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