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Juni 2011
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Home > Fallbeispiele > Fall des Monats > Juni 2011
Der Fall: Pilze sammeln Abends werden wir als NEF zu einem bewusstlosen Kind alarmiert, der RTW hat einen längeren Anfahrtsweg. Wir finden einen 2 Jahre alten Jungen mit brodelndem Atemgeräusch auf der Couch liegen. Der Kleine reagiert nicht auf Ansprache, GCS 7. Unter O2 Gabe SaO2 98%, HF 140/min, RR 90/45, keine äußeren Verletzungen, massive Hypersalivation, die mehrfaches Absaugen erfordert. Die Eltern berichten, dass ihr Kind vor ca. 45 min massiv erbrochen habe. Am Nachmittag hatte die Familie einen Ausflug in den Wald gemacht, um Pilze zu sammeln. Procedere: Anlage eines Zugangs nach mehreren Versuchen, BZ 8,0mmol/l; nach Eintreffen des RTW soll im Auto eine Schutzintubation erfolgen. Incident Nr.1: Kurz bevor der RTW eintrifft, funktioniert die Absaugung nicht mehr, da der Akku nicht geladen war. Incident Nr.2: Beim Transport in den RTW geht der venöse Zugang verloren. Im RTW angekommen dann erneutes Absaugen, problemlose Anlage neuer Flexüle. Jetzt kommt es zu Atemaussetzer und die Sättigung fällt auf 86%. Narkoseeinleitung und problemlose Intubation. Beatmung mit Beutel und O2 10l/min. Transport auf die nächste pädiatrische Intensivstation mit dem Verdacht einer Pilzintoxikation. Incident Nr. 3: Die Kapnometrie fällt wegen Batterieerschöpfung während des Transportes aus. Fortführung der bewährten manuellen Beatmung; in der ersten BGA in der Klinik waren die Gase unauffällig.
Kommentar: Erst einmal festzuhalten ist: Gut gelaufen! Vor dem Beginn des Transportes muss man sich vergewissern, dass alle Zugange, Tubus etc. ausreichend fixiert sind, ein überhasteter Transport ist immer mit Komplikationen behaftet. Es muss immer auf eine ausreichende Akkuladung der Geräte geachtete werden, auch im NEF. Nicht funktionierende Laryngoskope, Ausfall der Absaugung- das kann in einer Katastrophe enden. Der Ausfall der Kapnographie wegen unzureichender Baterrieladung ist auch so ein Fall. Verhindern könnte man solche Zwischenfälle, wenn die Kapno im Beatmungsgerät integriert wäre. Aber anzumerken ist: Es wurde an die Kapno gedacht, was noch lange nicht der Regelfall ist!! Kurze Info zu Pilzintoxikationen: 1-2% aller Intoxikationen davon 40% bei Kindern, meist akzidentell.
In der Regel gilt: Je giftiger ein Pilz desto länger die Latenzzeit (12-24h) bis zum Auftreten der Symptome, aber eine kurze Latenzzeit schließt eine schwere Intoxikation nicht aus!
Letalität der Knollenblätterpilzvergiftung bei Kindern 50%. Wichtige Adressen: Giftnotruf Mainz www.giftinfo.uni-mainz.de (06131) 19240 ; München www.toxinfo.org (089) 19240; Nürnberg www.giftinformation.de (0911) 3982451 ; Erfurt www.ggiz-erfurt.de (0361) 730 730 ; Berlin www.giftnotruf.de (030) 19240; Bonn www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale (0228) 19240; Göttingen www.giz-nord.de (0551) 19240; Freiburg www.giftberatung.de (0761) 19240 |
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