|
|
|
|||||||||||||||||
|
|
|
![]() |
|
![]() |
|
|
||||||||||||
|
|
|
|||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||||||
|
|
|
Latente Systemfehler
|
|
|
||||||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||||||
|
Home > Fallbeispiele > Archiv - direkt hier klicken > Latente Systemfehler
Der Fall: Indikationsbezogene Notarztalarmierung Für Notarzteinsätze werden indikationsbezogen die jeweiligen Dienstärzte der Inneren Medizin bzw. Chirurgie alarmiert, d.h. die Leitstelle ruft die Telefonzentrale des Krankenhauses an, und diese alarmiert dann entweder den Internisten oder den Chirurgen.Diese Regelung führt immer zu Problemenm, insbesondere wenn neues Personal in der Telefonzentrale arbeitet. Unter wurde schonmal ein Dienstarzt vor die Tür zum Warten auf das NEF geschickt, obwohl bei der Zentrale ein hausinterner Reanimationsalarm einging.In einem anderen Fall kam von der Leitstelle die Meldung "Notarzt für drohende Geburt", und hier wurde die Gynäkologin als Notarzt rausgeschickt, obwohl diese keine Fachkunde besitzt.
Kommentar Notfallmedizin ist interdisziplinär. Ein ausgebildeter Notarzt sollte, insofern er die vom Curriculum geforderten Kanntnisse und Fähigkeiten hat, in der Lage sein, Notfallpatienten adäquat zu versorgen und in das nächst gelegene geeignete Krankenhaus transportieren. Bei klaren Indikationen wie „Geburt“ kann, sofern das der Stellenplan einer Klinik zulässt, ein Spezialist zusätzlich mit ausrücken. Dies allerdings ist unüblich und eigentlich auch unnötig. Einsatzmeldungen sind zudem nie exakt, aus dem chirurgischen Patienten wird ein internistisch erkranktes Kind, aus dem Asthmaanfall ein Pneumothorax, der Schlaganfall ist eine akute Hirnblutung, der Sturz eine Synkope.Diese Liste liesse sich unendlich verlängern. Genau deshalb ist Notfallmedizin interdisziplinär. Genau deshalb gibt es Notärzte und den Rettungsdienst. Die geschilderte „Logistik“ und Alarmierungspraxis führt nicht nur zwangsläufig zu gefährlichen Verzögerungen, sondern auch zwangsläufig zu gefährlichen Situationen. Irgendjemand hat hier das Prinzip der Notfallmedizin ganz und gar nicht verstanden. 2. Quartal 2008
Der Fall: Zwei Altenheime mit der gleichen Hausnummer Da Reporter alles klein schreibt und die Abänderung der Nomen zu viel Zeit kostet, kurze Zusammenfassung: Rettungsdienst wird zu Altenheim alarmiert, findet Patienten wegen zweier Altenheime mit der gleichen Nummer nicht, Verzögerung von 15 Minuten. Kommentar: Bei einem Einsatz mit einer Fremdkörperaspiration wären 15 Minuten Verzögerung katastrophal (im vorliegenden Fall war es ein Krampfanfall). Was können wir daraus lernen? Vorerst nichts, denn diese Problematik fällt erst am Einsatzort auf – aber wenn sie jemandem auffällt, muss man sofort mit der Verwaltung des Altenheimes sprechen, dass ein erneutes Missverständnis bei dem nächsten Team nicht nochmals auftritt. Das wäre die Aufgabe eines Risikomanagers (den es in den meisten Rettungsbereichen noch nicht gibt). Oder eine Aufgabe des Risikomanagers wäre, ableitend aus diesem Fall: Ist in dem Einzugsgebiet gesichert, dass jedes Zimmer in jedem Altenheim zweifelsfrei sofort von jedem RTW-Team und Notarztteam gefunden wird? 1. Quartal 2008
Der Fall: Thermometer mit unzureichendem Messbereich3 Einsätze - gleiches Problem:
1. Alarmierung wegen V. a. Apoplex. Patient im Wohnzimmer auf Fussboden liegend angetroffen, die im gleichen Haus wohnenden Kinder hätten den ganzen Tag nichts vom Vater gehört und abends dann nachgesehen und ihn dort angetroffen. Patient somnolent, desorientiert, kann keine Angaben machen, RR, und Puls unauffällig. Wegen extrem schlechter Lichtverhältnisse Transport zum RTW. Dort fallen bei der weiteren Untersuchung kalte, zyanotische Akren auf, EKG und BZ o.B., auf Veranlassung des NA gegen murrenden RA Temperaturmessung mit Ohrthermometer: low. Da RA den Wert nicht glaubt orales Nachmessen mit einem "normalen" Digitalthermometer: ebenfalls low. Optimierung Wärmeerhalt (Heizung RTW auf Maximum, Zudecken), Zugang, gewärmte Infusion, da Patient (noch) nicht tief bewusstlos ist Transport zur ITS des naheliegenden Krankenhauses der Grund- und Regelversorgung. Dort Temperatur von 30,2 °C.2. Alarmierung wegen V. a. Apoplex. Patient nur mit Unterhemd bekleidet auf Stuhl im Treppenhaus sitzend angetroffen. Laut Nachbarn sei er etwa 1/2 h vorher in dieser Bekleidung draussen herumgelaufen, sei schon seit 2 Tagen verwirrt. Pat. soporös, kann keine Angaben machen. RR nicht messbar, kalte Akren. Wegen extrem schlechten Lichtverhältnissen (Beleuchtung in dieser Etage defekt) Transport zum RTW. Dort RR 85 mmHg palp., Puls um 90/min, im EKG VHF mit HF um 200/min. Temperatur oral (normales digitales Thermometer) 29,5°C, BZ high. Optimierung Wärmeerhalt (s.o.), Zugang, gewärmte Infusion, nach Voranmeldung Transport zum Schockraum eines nahegelegenen Krankenhauses der Schwerpunktversorgung. Dort steht gewärmtes Bett und Bair-Hugger bereit, nach ca. 1/2 h Verlegung auf ITS, dort DK mit Thermosonde, Temp. 36,0°C.3. Alarmierung in Rehaklinik. Nach 45 Minuten Reanimation Etablierung eines suffizienten Kreislaufs. Transport zum RTW, dort Entscheidung zur präklinischen Einleitung der Hyothermie: tiefe Sedierung, Relaxierung, Weglassen der Decke, kalte Infusionen. Rest problemlos. Ohrthermometer mit Messbereich bis 33°C vorhanden.
Im ersten Fall wurde die schwere Unterkühlung erkannt, konnte aber mangels geeignetem Thermometer nicht quantifiziert werden. Deutlich niedrigere Temperaturen hätten entweder einen Transport in die ca. 40 km entfernte Universitätsklinik (zur ECMO bzw. HLM) oder die frühzeitige Anforderung des Dialyseteams (Praxis im MVZ des angefahrenen KH) erfordert.Beim zweiten Einsatz wurde (aus gutem Grund) eine schwere Unterkühlung angenommen, die sich nicht bestätigte (allerdings valide Temperaturmessung nach über 1 Stunde Wiedererwärmung). Beim dritten Einsatz lag der angestrebte Bereich zwischen 32°C und 34°C, der Messbereich des vorhandenen Thermometers endet mittendrin. Problem aller Einsätze war das Fehlen eines geeigneten Thermometers. Im Rettungsdienst sinnvoll ist ein Ohrthermometer mit einem erweiterten Messbereich (ca. Zimmertemperatur bis ca. 45°C). Dieses habe ich bisher nur in einem von zwölf mir bekannten NA-Standorten vorgefunden, wegen der Kosten (ca. 160 Euro pro Thermometer) lehnen die Verwaltungen diese Beschaffung ab.Vielleicht können diese drei Einsätze zu einem Umdenken führen...
Kommentar: Hervorragende Fälle für ein CIRS, sehr guter eigener Kommentar. Jedes Buch der Notfallmedizin beschreibt die Hypothermie mit ihren Stadien (nochmals zur Erinnerung, hier aus Wikipedia):
Selbstverständlich braucht man ein Thermometer für grosse Messbereiche. In der Notfallmedizin spielen gerade die extremen Patiententemperaturen wegen oben genannter Gründe eine Rolle. 2. Quartal 2008 Der Fall: Reifen RTW Nachdem im Vorjahr bereits 2 RTW des Landkreises (MB Vario) die werkseitige Geschwindigkeitsbegrenzung auf 85 km/h durch Softwareprogrammierung entfernt wurde (Geschwindigkeit jetzt ca. 125 km/h), soll nun auch der dritte RTW entsperrt werden. In diesem Zusammenhang werden die Reifen überprüft, der Kennbuchstabe auf den montierten Reifen ergibt eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h, welche auch bei Sondersignalfahrten nicht überschritten werden darf. Eine entsprechende Dienstanweisung oder (laut STVO vorgeschriebene) Beschriftung des Tacho existiert nicht. Die übrigen RTW haben die gleichen Reifen. Kommentar: Erneut ein Fall, bei dem Reifen von Fahrzeugen Probleme bereiten könnten. Auch Reifen gehören zum Regelcheck. Der Fall: Adrekar bei Reanimation Der etwa 70-jährige Patient in einem Pflegeheim klagt über Atemnot. Festgestellt wird eine Dyspnoe unklarer Genese sowie eine Bradyarrhthmie. Nach Versorgung des Patienten (Ringer, 10 Liter O2 über Maske) erfolgt der Transport zum Fahrstuhl. Noch während das Team auf den Lift wartet kollabiert der Patient. Im EKG zeigt sich eine absolute Bradyarrhythmie HF ca. 25/Min. Er wird auf der Trage intubiert und die HDM wird gestartet. Jetzt verlangt der NA vom freien RA er möge doch bitte Adrekar aufziehen. Der RA fragt mehrmals den NA ob er wirklich Adrekar benötige. Dies wird bejaht und auch gegenüber dem RA, der die HDM kontinuierlich fortführt, bestätigt. Der NA applizierte schliesslich das Medikament. Daraufhin Asystolie. Die HLW wurde nach mehrmaliger Gabe von Suprarenin nach etwa 15 Minuten abgebrochen. Kommentar: Dass der Notarzt sich im Rahmen von Aufregung und Angespanntheit mit den Begriffen "Adrekar" und "Adrenalin" vertan hat, liegt auf der Hand und solche Verwechslungen werden immer wieder in Stresssituationen geschehen. Das ist menschlich. Über solch offensichtlich falschen Anweisungen sind auch mehrere Fallbeispiele eingegangen und veröffentlicht. Das Problem ist die Kommunikation zwischen RA und NA. Es reicht überhaupt nicht aus, wenn der RA nachfragt, ob sich der NA "sicher sei", ob er "tatsächlich Adrekar" meine. In diesem Stressmoment reicht eine einfache Rückfrage des RA nicht - da muss man den NA schon etwas mehr darauf stossen. Besser wäre gewesen, wenn der RA angemerkt hätte: "Adrenalin wäre auch in Ordnung?" worauf der NA wahrscheinlich geantwortet hätte:"Ja - habe ich doch gesagt." oder "Adrekar ist für die Schmalkomplextachykardie vorgesehen. Kann es sein, dass Sie es mit Adrenalin verwechseln?" Der RA ist in solchen Fällen (die wie gesagt immer wieder vorkommen werden und menschlich sind) der Rettungsanker, und eine adäquate Kommunikation ist gefordert. Diese Aufgabe ist möglicherweise nicht einfach, ist sich der Notarzt in dem Moment doch so sicher. 2. Quartal 2008 Der Fall: Ketanest statt SDH Pat. mit kopletten traumatischem Querschnitt nach Motorradunfall. Zusammenversorgung mit Hubschrauberteam. Gemeinsamer Entschluß zur Gabe von Kortison. Notarzt bekommt 10 ml Spritze angereicht und fragt "Ist dies Kortison?" Antwort Sani "Ja!" (steht aber mit dem Rücken zum Notarzt und meint er wird auf die Spritze angesprochen, die er gerade aufzieht). Anreichender Sani antwortet ebenfalls mit "Ja" (versteht aber Ketanest statt Kortison). Die Spritze wird injiziert (250 mg Ketanest), woraufhin der Pat. tachykard, bewußtlos und apnoeisch wird. Kommentar: Das Interessante an diesem Fall ist, dass es zu einer direkten Kommunikation zwischen NA und RA kam - nur hat der eine RA die Frage richtig verstanden (der war aber nicht gemeint) und der andere falsch verstanden. So überflüssig die Spritzenbeschriftung erscheint - sie ist immer notwendig und grundsätzlich zu fordern. Der involvierte NA war glücklicherweise Anästhesist und der weitere Verlauf nach Intubation problemlos. Bezüglich des SDH bei traumatischer Rückenmarkverletzung schreibt übrigens die Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Methylprednisolon-Behandlungsschema innerhalb 8 Stunden nach Trauma (Solu-Medrol, Methylprednisolon-Bolus 30 mg/kg i.v. über 1 Stunde, dann Erhaltungsdosis 5,4 mg/kg/h über 23 Stunden; entsprechend NASCIS-III-Schema; Bracken et al. 1997 ( Da Methylprednisolon umstritten ist und als Urbason im Handel (SDH ist Prednisolon), hätte man es nicht unbedingt geben brauchen - man hat laut Guidelines auch 8 Stunden Zeit bis zum Beginn. Das hat zwar mit dem eigentlichen Kommunikationszwischenfall nichts zu tun, ist trotzdem interessant. 1. Quartal 2008 Der Fall: Fentanyl Ältere Dame auf dem Sofa mit Herzinsuffizienz - Sättigung noch 86% mit Sauerstoff, aber trotz medikamentöser Therapie Zeichen beginnender Erschöpfung und Entschluss der elektiven Intubation im Wohnzimmer. Geplant war eine ruhige Narkoseeinleitung auf dem Wohnzimmerboden und die Rettungsassistenten organisierten das Zubehör wie Absaugung, Tubus, etc.. Gewünscht war die Narkoseeinleitung mit 20mg Etomidate, Fentanyl 0,1mg, 100 mg Lysthenon. Einige Medikamente waren aufgezogen schon auf dem Tisch, die Ampulle Fentanyl mit 0,1mg ebenfalls aufgezogen, zumindest sah ich die aufgebrochene Ampulle. Ich wünschte, schon einmal das Fentanyl zu geben, bevor wir die Dame in wenigen Minuten auf den Boden legen und dann in Ruhe einleiten würden. Ein Rettungsassistent reicht mir die Spritze mit 10ml und sagt: "Hier - das Fentanyl." Noch verwundert über die Verdünnung auf 10ml appliziere ich alles. Kurz darauf verspürt die Patientin schweren Schwindel, wird ateminsuffizient, nicht mehr richtig ansprechbar, Sättigung fällt zügig. In die Ruhe kommt etwas Chaos, hektisch verlagern wir die Patientin auf den Boden, dabei wird fast der Zugang rausgerissen, dann ITN mit Gabe von Etomidate und Lysthenon. Weiterer Verlauf unproblematisch. Nach Beruhigung der Situation fällt eine 2ml Spritze auf dem Wohnzimmertisch auf - auf Nachfrage war dies das Fentanyl 0,1mg. Verwirrung macht sich breit - der andere Rettungsassistent hatte schon mitgedacht und zusätzlich 0,5mg Fentanyl aufgezogen in der Annahme, 0,1mg würde sowieso im Verlauf nicht reichen. Nach dieser Dosis kein Wunder, dass die Patientin uns fast von der Couch fiel. Kommentar: Ein gut geplanter Einsatz - durch einen kleinen Kommunikationsfehler fast katastrophal verlaufen. Wenn in der Hektik der Zugang während der Umlagerung rausgerissen worden wäre - dann hätte das Team möglicherweise (je nach Patientenstatur) ein riesiges Problem gehabt. Die geplante Narkoseeinleitung mit den entsprechenden Dosierungen war richtig, auch das Fentanyl eine Zeit vor der Intubation zu verabreichen war richtig - es dauert etwa 5 Minuten, bis es voll wirkt. Auch das Mitdenken des Rettungsassistenten, dass 0,1mg Fentanyl im Verlauf nicht ausreichen werden, war sehr gut. Und weil der Rettungsassistent dachte "der Notarzt wird schon wissen, dass in den 10ml insgesamt die 0,5mg Fentanyl enthalten sind" und der Notarzt die angebrochene 0,1mg Ampulle auf dem Wohnzimmertisch sah und sich wortlos lediglich über eine Fentanylverdünnung wunderte, geschah die viel zu hohe Applikation. Wenn Spritzen nicht beschriftet sind und dann nicht richtig kommuniziert wird, dann ist man von einer Katastrophe manchmal nicht weit entfernt. 1. Quartal 2008 Der Fall: Neue Trage Pat. wird aus VLH auf Intensivtrage liegend auf Roll-Tragegestell des RTW gelagert und beim Losfahren Richtung RTW betätigt der RA am Kopfende fälschlich einen Hebel der Trage.Sie kippt kopfwärts ab, so daß Pat. kopfwärts zu Boden stürzt. NA,weitere RA und Pilot können gerade rechtzeitig intubierten Patient, Beatmung, Monitoring, Infusionen ect.auffangen und gemeinsam die Trage mit dem ca. 110 kg Pat. anheben, so daß keine Gefahr für den Pat.mehr besteht. Der RA kannte die Funktion seiner neuen Trage noch nicht! Kommentar: Einweisungen haben ihren Sinn. Der Fall: Ersatzfahrzeug Aufgrund eines Motorschadens des NEF wurde kurzfristig überregional ein Ersatzfahrzeug beschafft. Dieses war komplett ausgestattet, leider jedoch mit Geräten auf die weder RA noch NA eingewiesen sind, und die wir auch noch nicht kannten. Weiterhin war der Stromstecker mit dem an der Wache vorgehaltenen inkopatibel, so daß erst umständlich ein Adapter besorgt werden musste. Kommentar: Es zeigt sich immer wieder, dass Ersatzgeräte oder Ersatzfahrzeuge deutliche Mängel für den Alltag aufweisen. Zu einem guten Risikomanagement gehört auch, dass man darauf vorbereitet ist, wenn etwas ausfällt - NEF, RTW, Beatmungsgerät, etc. Der Fall: Fehlender Beatmungsbeutel Eigentlich nicht direkt ein Ereignis im Notarztdienst, sondern eher die Folge hiervon:Im Dienst gestern kam ein RTW unangekündigt mit einer 92 Jahre alten Patientin mit akuten Beinschmerzen links. Eine Viggo war angelegt, es liefen 500ml Ringer. Der Notarzt war nicht mitgefahren, ein Protokoll lag nicht vor, die Rettungsassistenten wussten nur, daß der Notarzt "irgendwas" gegen Schmerzen gespritzt habe, jedoch nicht was oder wieviel.Die wache, orientierte Patientin schrie vor Schmerzen, klinisch zeigte sich ein akuter Gefäßverschluß des linken Beines mit Pulslosigkeit, Kälte, Taubheit und Blässe. Nach dem Umlagern plötzlich auch Schmerzen im rechten Bein und zunehmende Taubheit der Beine, sonografisch bds. Gefäßverschlüsse femoral, intrakardial reichlich Thromben. Zur Analgesie wurde vorsichtig Fentanyl i.v. titriert (RR 190/100), nach 0,1µg wurde die Patientin plötzlich apnoeisch, SpO2 Abfall von 98% ohne Sauerstoffgabe auf unter 40% trotz O2-Maske. Da kein Atemweg vorbereitet war, und der nächste Ambubeutel unauffindbar war in der Hektik zunächst Mund-zu-Mund Beatmung und Rea-Alarm mit Notfallintubation durch Anästhesie. Nach ca. 40min. Beatmung erwachte die Patientin und konnte extubiert werden, weiterhin wach, orientiert, kein Hinweis für hypoxiebedingte Schäden. Kommentar: Nicht aus dem Notarztdienst - trotzdem lehrreich. 1. Ein Notarztprotokoll mit der Angabe der Schmerzmedikation wäre wünschenswert, hätte den Zwischenfall wahrscheinlich aber nicht verhindert. 2. Beatmungsbeutel im Schockraum (oder im RTW) werden meistens für hektische und unvorgesehene Notfälle benötigt. Es ist daher wichtig, dass sie an einer Stelle liegen, an der man sie sofort greifbar hat. 3. Vor Applikation von atemdepressiven Medikamenten sollte der Arzt nochmals sicher stellen, dass ein Beatmungsbeutel in der Nähe ist - alte Patienten hören schon bei geringen Dosen Fentanyl mit dem Atmen auf. 4. Selbst wenn die Sauerstoffsättigung ausreichend wäre - bei 40% FiO2 kann die Sauerstoffsättigung trotz Hypoventilation normal sein. Eine Hypoventilation ist bei guten peripher gemessenen Sauerstoffsättigungen nicht ausgeschlossen! Wer kennt nicht die beiden Publikationen aus der Anästhesie, die Patienten beschreiben, die nach einer Narkose in Spontanatmung nicht mehr erwachten, weil das CO2 auf exorbitante Werte angestiegen war. Auch hier kann die Kapnometrie helfen - Kapnometrieschlauch an eine Viggo (z.B. 16G), diese durch die Sauerstoffmaske in der Nähe des Mundes oder der Nase enden lassen - schon kann man die Atmung überwachen und hat schöne CO2-Kurven. Wenn nicht, dann atmet der Patient wahrscheinlich nicht. 1. Quartal 2008 Der Fall: Ersatzgerät Intubationsnarkose bei cardialem Lungenödem; Einleitung mit Etomidate / Dormicum / Fentanyl --> Intubation durch NA mit anschliessender Auskultation --> Anweisung Tubus fixieren --> PEEP Beatmung mit Beatmungsbeutel --> Beatmungswiderstand wächst nach ca 3 Minuten --> zunehmende Zyanose --> erst jetzt Lage der Tubus im Ösophagus bemerkt --> Umintubationkeine Kapnometrie im Einsatz (wegen Ersatzgerät nicht verfügbar - Orginalgerät in Reparatur); Pulsoxymetrie aufgrund zeigt wegen schlechter peripherer Durchblutung nie verlässliche Werte Kommentar: Geld ist Mangelware - das wissen wir. Diese notdürftigen Ersatzgeräte, die nicht auf dem aktuellen Stand der Medizin sind, sollten nicht eingesetzt werden. Zu einem Rettungsdienst gehören auch Ersatzgeräte, und diese müssen den aktuellen Anforderungen entsprechen. Nochmals (man kann es ja nicht oft genug sagen!): Die Kapnometrie ist unverzichtbar - gerade im Rettungsdienst ist auf die Pulsoxymetrie mit häufig fehlerhaften Signalen überhaupt kein Verlass - wie hier. Über das Kontaktformular kommen immer wieder Emails, dass die Kapnometrie in Rettungsdienstbereichen nicht verfügbar ist. 1. Quartal 2008 Der Fall: Zwei Altenheime mit der gleichen Hausnummer Da Reporter alles klein schreibt und die Abänderung der Nomen zu viel Zeit kostet, kurze Zusammenfassung: Rettungsdienst wird zu Altenheim alarmiert, findet Patienten wegen zweier Altenheime mit der gleichen Nummer nicht, Verzögerung von 15 Minuten. Kommentar: Bei einem Einsatz mit einer Fremdkörperaspiration wären 15 Minuten Verzögerung katastrophal (im vorliegenden Fall war es ein Krampfanfall). Was können wir daraus lernen? Vorerst nichts, denn diese Problematik fällt erst am Einsatzort auf — aber wenn sie jemandem auffällt, muss man sofort mit der Verwaltung des Altenheimes sprechen, dass ein erneutes Missverständnis bei dem nächsten Team nicht nochmals auftritt. Das wäre die Aufgabe eines Risikomanagers (den es in den meisten Rettungsbereichen noch nicht gibt). Oder eine Aufgabe des Risikomanagers wäre, ableitend aus diesem Fall: Ist in dem Einzugsgebiet gesichert, dass jedes Zimmer in jedem Altenheim zweifelsfrei sofort von jedem RTW-Team und Notarztteam gefunden wird? 1. Quartal 2008 Der Fall: Larynxtubus Primär RTW Alarm zu Sturz.NA Nachforderung bei EintreffenBei Ankunft Patient 55 Jahre ,GCS 3, Schnappatmung, offensichtlich SHT (Blutung aus Nase Ohr und Mund) RR 190 SaO2 <60 sofortiger Versuch der Maskenbeatmung, jedoch wegen Vollbart kaum möglich - keine effiktive Beatmung möglich - Intubationsversuch - wegen massiver Sonneneinstrahlung von oben keine Sicht auf die Stimmbandebene möglich - blinder Intubationsversuch - Auskultation - Tubus im Ösophagus - inzwischen Atemstillstand. Einlage von Larynxtubus, der allerdings erst aus dem NEF geholt werden musste. Damit gute Ventilation möglich. Kommentar: Das alternative Atemwegsmanagement gehört zum Tubus. Die meisten Situationen im Notarztdienst erfordern keine Eile, wenn aber etwas sofort und sehr schnell verfügbar sein muss, dann das alternative Atemwegsmanagement. Ich erinnere an den Fall, dass die Intubation im 2. Stock eines Mehrfamilienhauses misslang - und dann? 2. Quartal 2008 Der Fall: Kein Sauerstoff auf der Rettungswache Kein direkter Bezug zu einem Einsatz.Nach einem Einsatz wurde der RTW wieder aufgerüstet. Leider war auf der ganzen Rettungswache kein Sauerstoff mehr vorhanden. Nachts um 03:00 Uhr war es auch kurzfristig möglich einen zu besorgen. Es mußte also der RTW abgemeldet werden um auf einer anderen Rettungswache wieder Sauerstoff zu beschaffen. In der Zwischenzeit fand ein Notarzteinsatz statt, der nicht bedient werden konnte. Ein anderes Rettungsfahrzeug mit ca. 15Min längerer Anfahrt wurde bestellt. Pat. mit akuter Atemnot hätte 15 Min früher versorgt werden können. Kommentar: Klassischer CIRS-Fall - wer ist sicher, dass dies auf der eigenen Wache nicht passieren kann? Wie ist diese Zwischenfallvermeidung organisiert?
Der Fall: Karte nicht vorhanden NEF-Einsatz in der Kreisstadt (ca. 15000 Einwohner). RAiP wenig ortskundig (kennt Hauptstrassen und Krankenhaus), NA überhaupt nicht ortskundig. Im Kartensatz fehlt ausgerechnet die Karte dieser Kreisstadt. Strasse beiden nicht bekannt. Suche auf aushängender Karte in der Rettungswache, trotzdem Probleme beim Auffinden der Strasse. Unmittelbar danach erneut Einsatz in dieser Kreisstadt, wiederum Strasse nicht bekannt. Kommentar: Auch das Kartenmaterial gehört im Rahmen einer Checkliste überprüft. 1. Quartal 2008
Der Fall: STK abgelaufen Eines Tages bei einem ausgiebigen Fahrzeugcheck, stellte die RTW-Besatzung (RA;RS) fest, dass die Sicherheitstechnische Kontrolle (STK) seit ca. 6 Monaten beim Beatmungsgerät und Perfusor überfällig war. Die Geräte funktionierten zwar, wer weiß aber noch noch wie lange und wie sicher. Dies kann sicherlich irgendwann zu einem Fehler führen und den Patientenzustand direkt beeinflussen. Kommentar: Absolut - daher auch STK überprüfen. 1. Quartal 2008 |
||||||||||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||