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November 2009
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Home > Fallbeispiele > Fall des Monats > November 2009
Der Fall: Der Patient ist nur betrunken Wir wurden zu einem Staßenunfall gerufen und fanden einen etwa 40jährigen Mann bäuchlings, stöhnend auf dem Gehweg liegen.nach kurzer Anamnese des ansprechbaren und orientierten Mannes ergab sich folgender Hergang: Der Mann ging mit seinem Hund spazieren und stolperte (Anm.: vermutlich infolge von C2-Konsum).Er berichtete über starke Schmerzen in der rechten Schulter und er könne den Arm nicht bewegen. Beim grob orientierenden Bodycheck ergaben sich außer einiger Schürfwunden und der Schmerzen in der Schulter keine weiteren Verletzungen.Da der Patient ohne größte Schmerzen nicht zu bewegne war, entschieden wir uns dazu den NA nachzufordern.Bis zu Eintreffen des NA erfolgte die übliche Versorgung inkl. Wärmeerhalt und Basismonitoring.Nach Eintreffen des NA und krzer Übergabe übernahm dann recht schnell der RettAss des NEF das Ruder und "fuhr der jungen Notärztin über den Mund". Er entschied sich gegen eine Analgesie, packte den Rucksack des NEF wieder zusammen und drehte den Pat. eigenhändig auf den Rücken - der Pat. schrie. Die Ärztin handelte nicht. Mit vereinten Kräften wurde der Patient auf der Trage gelagert und in den RTW verbracht. Dort "untersuchte" der RA des NEF den Patienten nochmals an der Schulter - immernoch ohne Analgesie. Immernoch mit Schreien. Seine Diagnose:"Da ist nichts - der ist bloß blau!"Ich griff nicht ein, da ich noch sehr frisch in diesem Rettungsdienstbereich bin/war. Das Vorgehen des erfahrenen RettAss missviel mir trotzdem. Ich monierte es bei ihm und er lachte.Später stellte sich in Krankenhaus eine Trümmerfraktur der Schulter sowie des proximalen Humerus heraus. Und blau war der Patient auch: 2,0 Promille. Das ändert aber nichts an seinen Schmerzen und am Handeln aller Beteiligten.
Kommentar: Extrem gefährlich ist es, wenn man die Patienten von vornherein in Schubladen packt. Das ist eine typische Bias – und Alkoholiker oder auch die der südlichen Länder gehören typischerweise dazu. Wichtig hier ist, dass man diese Bias einfach nur erkennt – in dem Moment, in dem man ein Vorurteil oder überhaupt vorschnelles Urteil gefällt hat (kann ja auch eine vorschnelle Diagnose sein), ist man Opfer der Bias und man sollte doppelt vorsichtig werden. Letztlich hatte man hier einen Patienten, der stürzte und über Schmerzen in der Schulter klagte – was soll das schon sein? Schwierig ist es, wenn der Mitarbeiter in einer Bias gefangen ist, man selber aber nicht – da hilft nur gnadenloses Durchgreifen für den Patienten, eine andere Lösung sehe ich nicht. |
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