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Plötzliche Schwäche
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Home > Fallbeispiele > Fall des Monats > Ehemalige Fälle des Monats > Plötzliche Schwäche
Der Fall: Plötzliche Schwäche Alarmiert wurde ein RTW. Alarmmeldung Kollaps. Ländliche Gegend. Einfamilienhaus, sehr wohnliches Umfeld. Ca. 50-jähriger männl. Pat. liegt auf Küchendboden und klagt bei fehlenden Vorerkrankungengen über plötzliche Schwäche - er könne nicht mehr aufstehen. RR 60/nicht messbar. Keine Dauermedikation, es wurden keine Medikamente eingenommen. Ein Hinweis auf Unstimmigkeiten (Suizid/Intox etc.) liegt nicht vor. Es erfolgte keine NA-Nachforderung, stattdessen KTP-mäßiger Transport ins Krankenhaus der Grundversorgung. Monitoring fand nicht statt (um den Pat. nicht zu beunruhigen!), er wurde schliesslich durch einen RA in die Schocklage gebracht. Nach der Übergabe im KKH wurde diese nicht beibehalten. Der Patient wurde noch in der Aufnahme reanimationspflichtig und verstarb in der Hypovolämie. Beim maximalinvasiven Rettungsversuch (in der Aufnahme!) wurden etwa 5 Liter freies Blut aus der Bauchhöhle abgesaugt. Späterer Kommentar des (erfahrenen, aber nicht alten) Rettungsassistenten: "Aber muss man da gleich sterben!"
Kommentar: Aufgefunden wird ein Patient im schweren Schock. Die Schockursache ist primär nicht bekannt, ausser einem Bldutdruckwert von 60/? liegen keine weiteren Angaben zu Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung oder Ähnlichem vor, ein Monitoring hat nicht stattgefunden. Diese Vorgehensweise möchte man lieber nicht kommentieren, auf ein professionelles Vorgehen lässt dies aber nicht schliessen. Nach Aufnahme in eine Klinik der Grund- und Regelversorgung findet man eine schwere Hypovolämie und massiv freies Blut im Bauchraum als Ursache, der Patient verstirbt im Schock. Der Grund für das freie Blut in der Bauchhöhle bleibt ungeklärt. Bei diesem Einsatz stellen sich einem drei wesentliche Fragen: 1. Was wäre eine adäquate, professionelle Versorgungsstrategie im Rettungsdienst gewesen? 2. Was wäre das richtige Transportziel gewesen? 3. Hätte man den Verlauf ändern können? 1. Optimal wäre gewesen, nach dem primären A (sind die Atemwege offen) und B (ausreichend oxgeniert) rasch zum C-Problem (Kreislauf) zu kommen und den Schock zu diagnostizieren. Nach Ausschluss eines kardialen Pumpversagens (keine gestauten Halsvenen, keine pulmonalen Rasselgeräusche) wäre man unverzüglich zur Verdachtsdiagnose "hypovolämischer Schock" gekommen. Nach Ausschluss einer stillbaren Blutung nach aussen wäre die sofortige Anlage von ein, besser zwei grosslumigen Venenverweilkaülen, optimalerweise um Zeit zu sparen auf dem Transport gelegt, und die Gabe von 20ml/kg einer Vollelektrolytlösung indiziert gewesen. Da keine offensichtliche Blutung nach aussen bestand ist bei Schwierigkeiten den Zugang zu legen die Transportpriorität höher anzusehen. Der Patient hätte komplett monitorisiert schnellstmöglich und unverzüglich in das nächst gelegene geeignete Krankenhaus transportiert werden müssen. Die zusätzliche Gabe von hochdosiertem Sauerstoff ist obligatorisch beim Schock. 2. Die Frage nach dem richtigen Transportziel ist nicht ohne weiteres zu beantworten, da diese Entscheidung von Entfernung Einsatzort - KKH bzw. Einsatzort - Zentrum, den Witterungsbedingungen und dem Zustand des Patienten unter Therapie abhängt. Grundsätzlich gilt bei instabilen Patienten im Schock, dass der kürzest mögliche Transport anzustreben ist (Stichwort Milzruptur, die auch im KKH behandelt werden kann). Zeitverlust ist für einen Patienten im Schock unter Umständen tödlich. 3. Die Frage nach dem "was wäre wenn gewesen" lässt sich nicht beantworten, da die endgültige Diagnose nicht bekannt ist. Allerdings hat die beschriebene Nicht-Versorgung die Chancen des Patienten sicher nicht erhöht. Der letzte Satz des erfahrenen (?) Rettungsassistenten bleibt lieber unkommentiert, zeugt jedoch bestenfalls von erheblichen Wissensdefiziten. Winter 08 |
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